Sonntag, 29. Januar 2012

Spiegelung der Körperseele | Der Verdauungstrakt

Mit Texten von Prof. Dr. med. Walter Köster und Dr. Rosina Sonnenschmidt

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Am Ende der Verdauung kommt das Blut und das lebendige Herz, wo Taten und Wirklichkeit mühelos gelingen, weil alles geklärt und geordnet ist. Wo sich der Magen noch müht, Versteinertes zu lösen, ist dann alles in einem lebendigen Fluss, und die Verwirklichung auch des ehedem Versteinerten ist der königliche Lohn.
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Der Mund
Hier beginnt das Fliessen. Der Fluss des Lebens. Der Mund kann fremde Dinge unserem Körper einverleiben, ohne dass unsere Integrität dadurch schmerzhaft verletzt würde.

Der Magen
Im Magen sind die tiefen, abstrakten Archetypen zu Hause, wie Muttertrieb oder der Impuls zu Heldentum. Hier ist der Beginn des Lebens aber extrem tolerant. Verlieren wir diese ertragende Fähigkeit des Ursprünglichen und Primitiven mit zunehmender Differenzierung? Bezahlen wir Entwicklung mit Mangel an Toleranz? Offensichtlich kommt es im Herzen, in der weiteren Höherdifferenzierung zu einer Entwicklung, in der wir uns gegenseitig wieder annähern und uns so ein lebendiges Paradies schaffen. Dafür bietet der Magen mit seiner Akzeptanz einen wesentlichen ersten Schritt.
Im Magen versammeln sich die geschluckten Bisse wie ankommende in einem Warteraum. Der Magen sichert dem Körper die geschluckten Bisse und dient somit auch als Schutz. Die hier versammelten vereint ein Interesse: Sie alle wollen Mensch werden. Die äusserste Sperre haben sie schon überwunden. Der von uns verschluckte Fremdkörper ist im Magen unserem Blickfeld entzogen. Der Magen kann nicht erkennen, was er enthält. Er dient der Idee zu sammeln, woraus wir uns zusammensetzen. Wie die verschiedenen Ideen, die auf uns einstürmen und uns im Magen liegen. Das Verschluckte liegt hier im Dunkeln. Der Magen vermengt es additiv, doch bleibt das Ganze weiter von einander getrennt. Die Dinge hier treten kaum miteinander in Kontakt. Es herrscht das Klima der Toleranz.
Verliert der Magen die Nerven, wirft er einfach alles wieder raus. Kommt es soweit, hat zuvor das wesentliche Augenmass gefehlt. "Der Weise kommt nicht in Schwierigkeiten, weil er sie erkennt." Der Magen verkörpert ein seltsames Haben-wollen, wie beim Kleinkind, das alles in den Mund steckt.
Nahrungsmittel die uns nicht bekömmlich sind, empfinden wir als schwer, als nicht auflösbar, als Stein.
Die Artussage berichtet von einem Stein, in dem ein Schwert steckt. Wer das Schwert aus dem Stein löst, wird König. Wo sich der Magen noch müht, Versteinertes zu lösen, ist dann alles in einem lebendigen Fluss, und die Verwirklichung auch des ehedem Versteinerten ist der königliche Lohn.
Der Magenmensch hat sich verzettelt und eine neue Aufgabe bedrückt wie ein Stein. Das überforderte Pflichtgefühl macht den Rest. Der Mensch fühlt sich für grosse Taten noch nicht bereit. Er verharrt, da Neues nicht verdaut werden kann. Haben wir wirklich nicht geahnt, was uns der Koch des Lebens zu schlucken gab, als wir die Tat vollbrachten?
Der Magen muss einer Sache vorübergehend blind vertrauen, genauso, wie der Säugling der Mutter. Sie birgt das Kind in den Armen, so, wie der Magen die Speise schützt. Daraus ergibt sich auch der Organvergleich: Magen <-> Gebärmutter
Beide Organe bergen Fremdes, solange es noch nicht lebensfähig ist. Ein weiteres schützendes Organ ist die Haut. Auch hier kann man parallelen zum Magen finden und ein Organvergleich darstellen: Magen <-> Haut
Bei diesen Verdrängungsorganen laufen wir Gefahr, dass durch eine verdrängende oder unterdrückende Behandlung, sich das Leiden einfach an einem der nächsten Verdrängungsorgane manifestiert.
Magen – Haut – Gebärmutter
Der Magen zeigt seine negativen Informationen immer Kreisrund an. Das scheint die Idee der Hülle zu sein. Dies können kreisrunde Hautausschläge sein, kreisrunde Hautverfärbungen, kreisrunde Magengeschwüre, etc.
In der Artussage werden an der Tafelrunde (Kreis) die unterschiedlichsten Ritter vereint (blinde Toleranz). Damit ist noch nicht gesagt, was aus dem Kreis werden soll. Aber es ist der Anfang und er bietet viele Möglichkeiten.
In diesem ursprünglichen Bereich ist die Fantasie frei und kreativ. Ist der Weg in die Wirklichkeit verwehrt, drängt die Fantasie nach draussen; sie schlägt aus, und ein Hautausschlag entsteht. Diesen Ausschlag wegzucremen ist verkehrt, denn sonst kehrt sich der Prozess vom Ausschlag in ein Einschlag.

Die Magensäure
Der erstarrte Mensch kann auch nicht mehr weinen, obwohl er traurig ist; auch hier fehlt die Flüssigkeit um zu fliessen. Ins Heute springen hiesse doch, andere Schuldfrei geben zu müssen, damit man selbst frei von ihnen leben kann. Wem das zuviel Freiheit ist, dem kann Verkrustung wie Versalzung Geborgenheit vortäuschen.
Für den Prozess des Lösens produziert der Magen seine eigene Säure. Sie löst den Inhalt weiter auf. Lösen bedeutet los- und freimachen, auch von eingegangenen Bindungen und Abmachungen. Sie Magensäure löst Zusammenhänge, an die man sich gestern noch gebunden hatte. Es entsteht die Freiheit für ein neues Tun. Kreativität setzt Lösung von hemmenden Versteinerungen voraus. Zum Leben passt nur Fliessendes. Bei diesem Prozess wird jenes Alte zerstört, das sich nicht in das Neue einpassen lässt. Es bedeutet aber auch einen Abschied. Die Magensäure löst Bindungen im Magen auf. Ist es Zufall, dass hier gerade die Säure des Salzes am Werk ist?
Lot ist aus der Stadt Sodom entkommen, bevor es zu Katastrophe kam. Seine Frau blickte jedoch, trotz Warnung der zwei Engel, zurück und erstarrte dabei sofort zur Salzsäule.
Warum erstarrte Sie? Ein Mensch, der sich aus der Katastrophe und dem Leid von gestern nicht lösen kann, erstarrt. Er fliesst nicht mehr mit dem Fluss des Lebens. Selbst Trost verstärkt dieses Leid. Der erstarrte Mensch kann auch nicht mehr weinen, obwohl er traurig ist; auch hier fehlt die Flüssigkeit um zu fliessen. Ins Heute springen hiesse doch, andere Schuldfrei geben zu müssen, damit man selbst frei von ihnen leben kann. Wem das zuviel Freiheit ist, dem kann Verkrustung wie Versalzung Geborgenheit vortäuschen, auch wenn dadurch seine Heilung blockiert ist.
In der Artussage heilt die Wunde des Anfortas nicht, bis ehrlich nach dem "Warum" gefragt wird. Irgendwann lässt der Kranke sein Sodom doch los. Vielleicht hat er verstanden, was ihn quälte, und die lösende Frage des "Warum?" gestellt.

Der Pförtner
Er kontrolliert und portioniert den endgültigen Eingang in den Körper.

Der Dünndarm
folgt

Der Dickdarm
folgt

Der Anus
folgt